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In der Natur benötigen testudo hermanni durchschnittlich 90 Tage um sich im Ei zu entwickeln. Bei unseren oft unnatürlichen Inkubationsmethoden schlüpfen die Tiere oft bereits nach 55 Tagen.

Wie bei vielen Reptilienarten, so ist es auch bei den Schildkröten der Gattung Testudo so, dass sich das Geschlecht abhängig von der Inkubationstemperatur entwickelt. Dementsprechend brüten viele Schildkrötenzüchter die Eier möglichst warm aus um später viele weibliche Tiere anbieten zu können. Das ist auch durchaus sinnvoll, jedoch gehe ich davon aus, dass die Eier unter natürlichen Bedingungen kaum mit konstant hohen Temperaturen inkubiert werden.

Gleichzeitig fällt natürlich auch auf, dass es immer häufiger zu Missbildungen (Panzeranomalien, fehlende Augen, Gaumenspalte, fehlender Schwanz und vieles mehr) unserer Nachzuchten kommt.

Ob das Auswirkungen konstant zu hoher Temperaturen sind?

Des Weiteren stelle ich mir die Frage, ob es möglicherweise noch andere, erst später relevante gesundheitliche Beeinträchtigungen der Tiere gibt. Nach heutigem Wissensstand können wir davon ausgehen, dass die Geschlechtsentwicklung Ende des ersten, bzw. anfangs des zweiten Drittels der embryonalen Entwicklungszeit stattfindet. Dementsprechend ist eine dauerhaft konstant hohe Bruttemperatur wohl gar nicht notwendig um weibliche Tiere „zu erzeugen“

 

Da ich in meiner gesamten Schildkrötenhaltung mich immer möglichst nach den Vorgaben der natürlichen Bedingungen richte, versuche ich auch bei der Inkubation diese Gegebenheiten zu berücksichtigen.

So bin ich stets bestrebt, den Embryonen möglichst viel Entwicklungszeit im Ei zu lassen und trotzdem ein wenig Einfluss auf die Geschlechtsbildung zu haben.

Seit einigen Jahren berücksichtige ich diese Gegebenheiten und habe seit dem auch kaum noch Missbildungen, Frühgeburten oder noch nicht vollständig entfaltete Schlüpflinge.

 

Nun ist es soweit, dass die ersten, unter diesen Bedingungen nachgezogenen Tiere, das das semiadulte Alter erreicht haben und ich mich trotzdem über vorwiegend weibliche Tiere erfreue.

Besonders auffällig finde ich es jedoch, dass Tiere, die mehr Zeit für ihre embryonale Entwicklung hatten, offensichtlich langsamer und dem entsprechend schöner (glatter) heranwachsen.

Ob das nur Zufall ist?

Ob ein so langsames Wachstum auch Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand hat?

Diese Frage würde ich sehr gerne beantwortet wissen, habe jedoch keine, oder nicht ausreichend viele Vergleichsmöglichkeiten.

Darum habe ich mich dazu entschlossen dieser Sache auf den Grund zu gehen. Um jedoch eine möglichst aussagekräftige Antwort und sämtliche Zufallsfaktoren ausschließen zu können bedarf es einer größeren Anzahl von Eiern.So haben sich einige erfahrene Züchter zusammengefunden um nach entsprechenden Vorgaben zu inkubieren.

Die Tiere selbst werden  gekennzeichnet und unter gleichen Bedingungen bis ins semiadulte Alter aufgezogen.

Auf das Ergebnis dieser Studie bin ich schon sehr gespannt.

 

Alle Daten werden auf dieser Homepage veröffentlicht, so haben auch Sie die Möglichkeit, diese Studie bis an ihr Ende zu verfolgen. Falls sie sich selbst daran beteiligen möchten, so würde mich das sehr freuen, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf.

ERGEBNIS:

Leider sind viele der Probanden im Laufe der Zeit abgesprungen, haben ihre Nachzuchten noch vor der Zeit verkauft oder einfach keine Daten abgegeben. Einige Tiere - sowohl aus der einen, als auch aus der Anderen Gruppe - sind verstorben und bleiben letztendlich von den nahezu 100 Schildkröten, die beobachtet werden sollten, nur noch sehr wenige über, sodass es für keine wirklich aussagekräftige Studie reichte.

An den wenigen Tieren, die beobachtet werden konnten, scheint die Inkubation keinerlei Auswirkung auf das spätere Wachstum der Tiere zu haben. Die Tiere entwickelten sich sehr unterschiedlich, einige wuchsen schneller als andere heran, was jedoch in keiner Weise auf die Inkubation zurückgeführt werden kann.

Dennoch halte ich persönlich eine langsame Temperaturkurve, sowie die bedeckte Inkubation für wesentlich natürlicher. 
Eine Auswirkung auf die spätere Entwicklung bzw. auf den Gesundheitszustand der Tiere hat das jedoch nicht.