Marokko (9).JPG

Lebensraum

 

Wie bei jedem Wildtier, welches in menschlicher Obhut gepflegt wird, kann sich auch die Ägyptische Landschildkröte nicht unseren Gegebenheiten anpassen. Dem entsprechend müssen wir so gut es geht die Bedingungen schaffen, die ihrem natürlichen Lebensraum möglichst ähnlich sind. Das ist bei einem Tier, welches aus derart extremen klimatischen Begebenheiten stammt nicht ganz einfach und so ist es von besonderer Bedeutung das Klima, die Bodenbeschaffenheit, die dazugehörige Flora der Ursprungsgebiete besonderes Augenmerk zu schenken. Wie es der deutsche Name bereits vermuten lässt, stammt die Ägyptische Landschildkröte aus dem arabischen Raum. Leider findet man sie in Ägypten kaum noch.

Marokko (2).JPG

Testudo kleinmanni bevölkerte den schmalen Küstenstreifen der nordafrikanischen Küste von Libyen, Ägypten bis zum südlichen Palästina (Schleich, 1984) Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich bis zu 120km landeinwärts, entlang der wasserlosen Wadis. Das sind die größten trockenen Flussbetten des Nahen Osten. Fast 99% des Jahres sind diese völlig ausgetrocknet. Bei einem Gewitterregen können sie sich jedoch innerhalb kürzester Zeit in einen reißenden Fluss verwandeln.

Diese Extreme wirken sich auch auf die Gebiete weiter im Landesinneren aus. Es ermöglich den Tieren einen größeren Lebensraum, der sich so von der Küste weiter in die Wüste erstreckt.

Der Lebensraum kann sehr unterschiedlich sein. So gehören steinige Ebenen genauso wie gemischte Kies- bis Sandebenen oder steile Böschungen am Rande der Salzwiesen dazu.

Heute findet man dort kaum noch Tiere.

Über Jahrzehnte wurde die kleine Schildkrötenart von Hirten und Dorfbewohnern abgesammelt und billig zum Kauf für die Heimtierhaltung angeboten. Im späteren 20.Jahrhundert wurden sie zu tausenden abgesammelt und in den ausländischen Handel verkauft. Die meisten Tiere erlagen bereits einer Dehydrierung, noch bevor sie ihr eigentliches Ziel erreichen konnten. Viele davon kamen, durch Stress und Parasiten in derart schlechtem Zustand über das Meer, dass die wenigen, welche die Überfahrt überlebten kurz danach starben.

Wenn wir an die Wüste denken, so denken wir an viel Sand, an eine trostlose Landschaft, weit ab von jeder Zivilisation. Aber gerade in dem Gebiet, wo die Wüste ihren Anfang nimmt, die Steppe, wo das Mittelmeer in die Wüste übergeht, ist eine rege Fauna und Flora zu finden.
Man glaubt kaum, wie viele andere Tiere diese Gebiete bevölkern. Neben Testudo kleinmanni findet man eine Vielzahl andere Reptilien, viele Schlangenarten, verschiedene Dornschwanzagamen, und andere Echsenarten.
Aber auch Säugetiere, wie Wüstenmäuse, Ratten oder etwas größere Säuger, wie Füchse, Wildhunde und Schakale haben dort ihre Heimat.
Die sind natürlich auch teilweise eine Gefahr für die kleinen Schildkröten, da sie für so manches größere Tier den Speiseplan erweitern. Auch aus der Luft sind die kleinen Reptilien, durch Greifvögel gefährdet.
Der gefährlichste aller Feinde ist jedoch der Mensch, der sie gerne zu seinem eigenen Spielzeug missbraucht oder ihre Habitate zu seinem eigenen Zweck gestohlen hat.

Durch ihre Form, Größe und Farbe ist die ägyptische Landschildkröte der Lebensbedingung dieser Mittelmeersteppet gut angepasst. Ihre helle Farbe dient nicht nur der perfekten Tarnung, auch schützt sie ihren gesamten Organismus vor zu großer Überhitzung.

Um den natürlichen Lebensraum genauer zu betrachten muss man jedoch nicht nur das Klima, sondern auch den Boden und die Pflanzen genauer ansehen.

Der Boden ist sehr karg und wie man es sich vom Wüstenrand auch erwartet, recht sandig und relativ wenig bewachsen. Trotz des hohen Sandanteils ist er jedoch nicht so weich und nachgiebig wie in einer Sandkiste. Der hohe Lehmanteil festigt ihn.
Durchzogen von Wurzelwerk verschiedener Wasser speichernden Pflanzen, kann er mit dem bei uns bekannten Spielzeugsand nicht verglichen werden.

Einen guten Lebensraum findet diese Schildkrötenart entlang der Wadis. Dabei handelt es sich um ein großes, ausgetrocknetes Flussbett welches nur sehr selten Wasser führt. Um ein Wadi plötzlich in einen reißenden Strom zu verwandeln reicht schon ein viele Kilometer entferntes Gewitter.

Nach einem solchen seltenen Regenguss ist das Wadi von einem unglaublichen Pflanzenteppich bedeckt.

letzte karte (24).JPG
DSC_0032.JPG

Durch Erosionen Wüstenwind und heftige Winterregen entstand über Jahrtausende eine faszinierende Landschaft, die sich die Tiere zur Heimat machten.

Viele Pflanzen ziehen sich in den trockenen Sommermonaten in den Boden zurück, sodass man in dieser Zeit nichts von der Vielfalt und Üppigkeit erahnt, welche diese karge Steppenlandschaft, in den Wintermonaten in ein wahres Blütenfeld verwandelt.

Den Tieren stehen in den trockenen Monaten lediglich ausgedörrte Büsche und vertrockneten Grasbüscheln zur Verfügung, welche sie auch nutzen, um sich vor der sengenden Hitze und hungrigen Prädatoren in Sicherheit zu bringen. So verweilen sie einige Monate bis die ersten Regengüsse ihnen wieder reichlich Nahrung und angenehmere Temperaturen beschert.

Die kleinen Ägyptischen Landschildkröten finden genau dort ihren Lebensraum, wo das milde Mittelmeerklima mit dem extremen Wüstenklima zusammentrifft. So bekommen sie, in gewisser Weise von beiden etwas ab.

Dieses extreme Klima stellt den Halter dieser Art vor eine wirkliche Herausforderung. Ohne technischen Hilfsmittel ist das in unserem Breitengrad kaum zu bewerkstelligen.

DSC_0025.JPG
Marokko (9).JPG