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Trockenruhe/ Ästivation

In der heißen Jahreszeit verweilen die Tiere über längere Zeit in einem völligen Ruhezustand. Mit dem Kopf voran und eingezogenen Extremitäten stecken sie in ihren Höhlen. Durch die hohen Sommertemperaturen verdorren die letzten Futterpflanzen. Viele dieser Pflanzen ziehen sich während der heißen Zeit teilweise komplett in den Boden zurück. Der nordafrikanische Küstenstreifen verwandelt sich nun in eine wüstenartige Landschaft. Nur noch ausgedörrte Grasbüschel und verholzte, krautige Gewächse ragen aus dem sandigen Boden.

Die kleine Schildkrötenart greift nun auf eine eigene Überlebensstrategie zurück, indem sie sich zu einer Trockenruhe (Ästivation) zurückzieht. Jetzt gilt es, möglichst keine Energie zu verbrauchen und den Körper vor Überhitzung und Dehydrierung zu schützen.
Schattige Plätze sind in dieser trockenen und kargen Landschaft nun rar. Da es in diesen Monaten nicht regnet, müssen die Schildkröten mit ihrem Wasserhaushalt besonders sorgsam umgehen. Nahrung werden sie in den nächsten Monaten nur sehr spärlich finden und das Wenige, was sie finden, ist völlig ausgedörrt und vertrocknet.
Feuchtigkeit und Schatten finden sie nur noch an überhängenden Grasbüscheln und anderen vertrockneten Pflanzen, an deren Wurzeln sie sich nun enge Unterschlüpfe graben.

Diese lebensnotwendige Schutzmaßnahme scheint in den Tieren instinktiv verankert zu sein, so dass sie auch im weniger heißen Terrarium auf diese Ruhezeit nicht verzichten. Diese inaktive Zeit gehört einfach dazu.

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Die Aufgabe des Halters besteht darin, den Tieren ein möglichst nordafrikanisches Klima mit entsprechender Strukturierung und ausreichend vielen schützenden Versteckplätzen anzubieten. Das bedeutet, dass wir ihnen ein „unangenehm“ heißes Klima bieten, gleichzeitig jedoch auf Stellen achten, die ihnen das Überleben sichern.
Das bedeutet: Durch Licht und Wärme müssen wir in hohem Maße Energie verbrauchen, um den ganzen Sommer lang in ein „leeres“ Terrarium zu schauen.

In meinem eigens für Testudo kleinmanni gebauten Wintergarten wird es bereits im Frühsommer durch die Südostlage so heiß, dass ohne weiterer Technik und ohne zusätzlicher Durchlüften schnell eine Lufttemperatur von 60 °C erreicht werden kann. So hohe Temperauren können den Tieren das Leben kosten. Aus diesem Grund habe ich mittels Dachfenster für eine gute Abluft gesorgt. Während dieser Zeit nutzen die Tiere gerne die gesinterten Tonhöhlen, in denen trotz relativ großer Hitze angenehme Temperaturen und eine höhere Luftfeuchtigkeit herrschen.


Im Juni, an den noch nicht so heißen Frühsommertagen, nimmt die Aktivität meiner Tiere bereits deutlich ab. Zwar kommen sie noch regelmäßig zur Futtersuche heraus und auch die Wasserstellen werden noch aufgesucht. Die allgemeine Aktivität ist jedoch merklich gemindert. Diese verschiebt sich nun immer weiter in die frühen Morgenstunden. Spätestens im Juli ist keines meiner Tiere mehr aktiv zu beobachten, wobei die inaktiven Phasen von Tier zu Tier variieren.

Obwohl ich zu dieser Jahreszeit kaum eines meiner Tiere aktiv untertags sehen kann, beobachte ich, dass sie immer wieder ihre geschützten Plätze wechseln. Auch an den herumliegenden, ausgetrockneten Pflanzen merke ich, dass eine Bewegung stattgefunden hat. Da ich sie jedoch bei dieser Aktivität nie beobachten konnte, legte ich mich vor einigen Jahren früh morgens auf die Lauer. Tatsächlich erwachten meine an sich völlig inaktiven Ägyptischen Landschildkröten mit der aufgehenden Sonne zum Leben. Zwar wurde nur wenig gefressen, dafür aber reichlich getrunken. Sobald das Morgenlicht den Wintergarten erhellte, zogen sich die Tiere wieder in ihre Höhlen zurück.
Seit dieser Beobachtung halte ich es für wichtig – vor allem in der Nacht – Wasser bereit zu stellen, damit sie früh morgens ihren Wasserbedarf decken können. Auch die Notwendigkeit einer hohen Luftfeuchtigkeit während dieser Zeit ist mir seitdem bewusst. Diese halte ich nachts auf etwa 70 %. Am Tag sinkt sie – bedingt durch die Hitze und das offene Dachfenster – je nach Witterung auf bis zu 30 %. 

Im Oktober beende ich die Trockenruhe mit einem kräftigen Regenguss. Bald darauf erwachen meine Testudo kleinmanni zu neuem Leben.

Eine Winterruhe hält diese Schildkrötenart nicht. Dennoch ziehen sich meine Tiere in der Winterzeit gelegentlich in eine eher kühlere Ecke des Wintergartens zurück, um dort ein bis zwei Wochen relativ inaktiv zu verweilen. Nach dieser Zeit wärmen sie sich gerne wieder unter einer Lampe auf, um richtig aktiv und voller Lebenskraft ihrem Tagesablauf nachzugehen.

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